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Madeira

Madeira

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Flechten auf Madeira
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18.12.13 10:26
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

Blutaugenflechte



Die griechisch-lateinischen Namen der Organismen geben häufig Hinweise auf Eigenschaften der genannten.
Die hier gezeigte Flechte heißt z.B. Haematomma ochroleucum; griechisch haima = Blut, omma = Auge; ochros = blassgelb, blass, leukos = weiß. Es ist also jene Flechte, die wegen ihrer roten Apothecien (Fruchtkörper des Pilzes) einem blutigen Auge ähnelt und deren Lager blassgelblich bis gelblichweiß ist.
Ich habe die Flechte an einer nordexponierten, zeitweise feuchten (Nebel) Steilwand am Pico do Gato (zwischen P. do Arieiro und P. Ruivo) fotografiert.
mfg Ulrich



Zuletzt bearbeitet am 21.12.13 16:13

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Haematomma ochroleucum-6466.jpg Haematomma ochroleucum-6466.jpg (181x)

Mime-Type: image/jpeg, 723 kB

21.12.13 16:11
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

"Goldaugenflechte"

Teloschistes chrysophthalmus (griechisch "chrysos": Gold; "ophthalmos": Auge) sieht mit ihren goldenen Wimpern in der Tat einem Auge ein wenig ähnlich. Vor ca. 100 Jahren konnte man die zierliche Strauchflechte noch in den warmen Regionen der Oberrheinebene finden, danach verschwand sie wegen ihrer hohen Empfindlichkeit gegenüber Luftverunreinigungen aus Deutschland. Infolge der augenblicklichen Klimaerwärmung und wegen verbesserter lufthygienischer Bedingungen darf man hoffen, dass sie eines Tages zu uns zurückkehrt. (Ich hatte sogar einen Augenblick überlegt, diese - wie ich finde - schönste Flechte bei uns auszusetzen ... aber das wäre ja dann eventuell Florenverfälschung).
Auf Madeira habe ich sie an den Ästen eines Apfelbaumes südöstlich von Camacha (Richtung Assomada) gefunden.



Zuletzt bearbeitet am 24.12.13 11:56

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-Teloschistes chrysophthalmus-7899  Tamron 90mm  1zu0,32   f11  ISO100  4sec  15 Bilder+.jpg -Teloschistes chrysophthalmus-7899 Tamron 90mm 1zu0,32 f11 ISO100 4sec 15 Bilder+.jpg (205x)

Mime-Type: image/jpeg, 593 kB

22.12.13 20:35
Velvet 

Madeira-Strelitzie

Re: Flechten auf Madeira

Hallo Ulrich,
vielen Dank für die wirklich sehr schöne Aufnahmen. Die Schärfentiefe ist jedenfalls beeindruckend, da sind die Vorteile des Image-Stackings unübersehbar. Ich muss jedoch zugeben, dass mir dafür wohl die Geduld fehlen würde, und meiner Frau vermutlich noch viel mehr
Und was das Umsiedeln von Flechten betrifft, ich denke auch dass man sich da besser zurückhalten sollte. Wenn die Umweltbedingungen für solche Arten wieder optimal sind, ist die Chance sehr groß dass sie sich von selber wieder ansiedeln (zumindest scheint das bei vielen Flechtenarten deutlich schneller zu gehen als beispielsweise bei den Höheren Pflanzen). Hängt aber natürlich davon ab, wie weit die nächsten Standorte der betreffenden Arten entfernt sind, vor allem bei solch seltenen Flechten...

Bin jedenfalls ganz gespannt, was du da noch an weiteren schönen Fotos auf Lager hast.

Gruß
Velvet

26.12.13 10:51
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

Blei-Flechte

Degelia plumbea (lateinisch plumbum: Blei) ist eine atlantische Flechte, deren bleigraues Lager in ungewöhnlichem Kontrast zu den rötlichen Apothecienscheiben steht. Auf den makaronesischen Inseln ist die Flechte häufig anzutreffen. (z.B. an Zypressen).



Zuletzt bearbeitet am 28.12.13 17:54

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Degelia plumbea--klein.jpg Degelia plumbea--klein.jpg (217x)

Mime-Type: image/jpeg, 750 kB

28.12.13 17:50
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

Degelia atlantica ist - wie der Name schon andeutet - eine Art mit ausgeprägt südlich-atlantischem Verbreitungsgebiet (z.B. Makaronesien). Sie ist für mich ein weiterer Anwärter für die Einwanderung nach Mitteleuropa, sofern der Klimawandel sich fortsetzt. Zur Zeit fährt man aber noch besser auf die Kanaren oder nach Madeira, wenn man diese farblich ansprechende Schildflechte sehen möchte. Von der bereits zuvor hier gezeigten Degelia plumbea unterscheidet sie sich durch fehlende Apothecien (Fruchtkörper des Pilzes) und das Vorhandensein von bläulich-grauen, kugeligen Isidien (das sind Auswüchse der oberen Flechtenrinde, in der sich beide Symbiosepartner - Pilz und Alge - befinden. Sie können abbrechen, verbreitet werden und - bei zusagenden ökologischen Bedingungen - zu neuen Flechtenkörpern heranwachsen --> ungeschlechtliche Vermehrung). Man findet Degelia atlantica sowohl auf Baumborken als auch auf Felsen - sie ist also eine Art mit weiter ökologischer Toleranz hinsichtlich ihres Wachstumssubstrates (substravag). Das ist für Flechten eher untypisch; die meisten Arten haben eine ziemlich strenge Substratbindung - darin ganz den "richtigen" Pilzen ähnelnd.
Aufgenommen mit der EOS 20 D, Sigma 50 mm Makroobjektiv und Einbeinstativ "Spezial", 1/30 sec., f=16, ISO 200, RAW. (Dieses Bild stammt von La Gomera, weil meine madeirensischen Fotos der Art - z.B. aus dem Montadetal - nicht so gut geworden sind).



Zuletzt bearbeitet am 28.12.13 17:54

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-Degelia atlantica La Gomera Arure.jpg -Degelia atlantica La Gomera Arure.jpg (200x)

Mime-Type: image/jpeg, 339 kB

30.12.13 21:28
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

Die Giftige

Zur Abwechslung nun wieder einmal eine Bartflechte. Ein Laie würde sie vermutlich zur Gattung Usnea stecken (sofern er diese kennt). Schaut man jedoch genauer hin, so sieht man, dass es eine solche nicht sein kann, weil sie keinen weißen Zentralstrang besitzt der beim (vorsichtigen) Zerreißen eines Fadens zunächst nicht mit zerreißt. Hier handelt es sich um eine (meines Wissens) endemische Art, die nur in Makaronesien zu finden ist. Sie wächst sowohl an Felswänden, als auch auf den Ästen von Bäumen und Büschen. Die Aufnahme stammt vom Aufstieg zum Pico Ruivo über das Curral das Freiras und das Montade-Tal.
Ihr Name: Lethariella canariensis (da steckt der griechische "Fluss der Unterwelt" - Lethe, sowie das lateinische letum - Tod drin; wohl wegen der Giftigkeit dieser Flechte).



Zuletzt bearbeitet am 30.12.13 21:30

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Lethariella canariensis-Aufstieg zum P. Ruivo.jpg Lethariella canariensis-Aufstieg zum P. Ruivo.jpg (202x)

Mime-Type: image/jpeg, 670 kB

03.01.14 17:06
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

Blaualgenflechten

Und hier wieder zwei Vertreter aus dem Laurisilva (sowohl auf bemoostem Gestein als auch auf alten, bemoosten Baumstämmen: Beide Vertreter der Gattung Leptogium erreichen bis 10 cm Durchmesser, sind also auffallend). Wie alle Blaualgenflechten sind sie trocken +- (bläulich)-grau. nass jedoch fast schwärzlich. Unterscheidungsmerkmale: Leptogium cyanescens erkennt man an den flächen- und randständigen Isidien (kleine, stift- bis spatelförmige Auswüchse, die abbrechen und dann verbreitet werden können). An geeigneten Standorten wachsen sie zu neuen Flechtenlagern der entsprechenden Art aus, weil beide Symbiosepartner - Cyanobakterie und Pilz - gemeinsam verbreitet werden. Leptogium cochleatum pflanzt sich hingegen sexuell, mit Sporen, fort, die aus den schüsselförmigen Fruchtkörpern (Apothecien) entlassen werden. Die Art besitzt eine auffällige Streifung auf der Oberseite des Lagers.





Zuletzt bearbeitet am 03.01.14 17:08

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Leptogium cyanescens-8161  Madeira Queimadas    MP-E  1,1zu1    f8   ISO100   0,5sec   A   8 Bilder klein.jpg Leptogium cyanescens-8161 Madeira Queimadas MP-E 1,1zu1 f8 ISO100 0,5sec A 8 Bilder klein.jpg (208x)

Mime-Type: image/jpeg, 758 kB

Leptogium cochleatum-8181  Madeira  Estanquinhos   100mm  1zu2    f8   ISO100   1-3sec   A   14 Bilder.jpg Leptogium cochleatum-8181 Madeira Estanquinhos 100mm 1zu2 f8 ISO100 1-3sec A 14 Bilder.jpg (189x)

Mime-Type: image/jpeg, 774 kB

11.01.14 23:29
bacalhau 

Moderator

Re: Flechten auf Madeira

Hallo Ulrich,
noch eine Frage an den Fachmann:
über welche Flechte bin ich hier gestolpert? War im Lorbeerwald im Janela-Tal, ca 900 m NN. Wenn Du mehr Fotos zur Identifizierung brauchst, bitte sagen.



LG, bacalhau

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welche Flechte.jpg welche Flechte.jpg (273x)

Mime-Type: image/jpeg, 143 kB

18.01.14 15:38
ulrich 

Madeira-Natternkopf

Re: Flechten auf Madeira

Hallo Ulrich,
noch eine Frage an den Fachmann:
über welche Flechte bin ich hier gestolpert? War im Lorbeerwald im Janela-Tal, ca 900 m NN. Wenn Du mehr Fotos zur Identifizierung brauchst, bitte sagen.


Hallo Bacalhau (bin gerade vom Urlaub zurück),

Flechten nach Bildern zu bestimmen - und dann noch im nassen Zustand - ist schwer bis (oft) unmöglich. Weitere Bilder könnten aber hilfreich sein. Wuchs die Flechte auf dem Boden oder war sie von einem Ast heruntergefallen und vergammelt? Ich frage, weil solche Ausbeulungen typisch für die Lungenflechte sind - die ist aber nicht schwarzgrau, sondern grün, wenn feucht.
mfg Ulrich

18.01.14 17:34
bacalhau 

Moderator

Re: Flechten auf Madeira

Hallo Ulrich,
nur keine Hektik. Komm' erst mal richtig zu Hause an.
Ergänzend zu meinen ersten Angaben hier noch folgendes:
Standort im Lorbeerwald - aber am Wegrand, der etwas mehr Sonne abbekam als der sonstige Waldboden. Die Flechte bedeckte in großen Nestern bis 50 - 60 cm Durchmesser den Waldboden, der ansonsten mit Moosen bewachsen war. Sie machte einen sehr vitalen Eindruck. Nichts deutete auf vergammeln hin. Ich dachte zuerst auch an Lungenflechte. Nur genau diese dunkle Färbung verwirrte mich. In der Nacht hatte es geregnet. Ich kann jetzt nicht sagen ob die Flechten immer so "feucht" sind.

Aus einem der Fotos habe ich einen Teilausschnitt gemacht.
Gesamtbild:



Ausschnitt, ca die Bildmitte des obigen Fotos :



Nochmal mit Schuhspitze um die Größenverhältinisse zu zeigen:





Die restlichen sind verkleinert damit sie hier in den Thread passen. Wenn Du die Fotos im Original haben möchtest, dann gib mir Bescheid.

LG, bacalhau

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DSC01050.jpg DSC01050.jpg (160x)

Mime-Type: image/jpeg, 209 kB

Ausschnitt.jpg Ausschnitt.jpg (171x)

Mime-Type: image/jpeg, 556 kB

DSC01051.jpg DSC01051.jpg (174x)

Mime-Type: image/jpeg, 183 kB

DSC01053.jpg DSC01053.jpg (183x)

Mime-Type: image/jpeg, 195 kB

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