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Madeira

Madeira

Hausneubau Funchal
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05.01.15 10:54
Ariero 

Madeira-Levkoje

Re: Hausneubau Funchal

Hallo Wettingers,

bei unserem letzten Madeira Besuch hatten wir ein lanegs Gespräch mit einer portugiesischen Dame (mit Hund), die uns erzählte, dass sie ihr nun 5-jähriges Haus nicht verkaufen kann, weil der damals verwendete Zement schlecht war uns jetzt zerbröselt.
Der Gerichtsstand - oder wars der Hutachter? - ist vom Festland und kommt nur alle Jubelmonate...

Ich weiss nicht, wie man sich gegen Pfusch schützt (Proben einsenden?), aber vielleicht hilft ja die Warnung...

11.02.15 20:48
DieWettiner 

Madeira-Natternkopf

Re: Hausneubau Funchal

Weiter geht es. Nur als Zwischeninfo. Die Bauarbeiten haben begonnen, ich muss also Gas geben.

Die Planungsphase - Entwurfsplanung

Wir hatten recht konkrete Vorstellungen von unserem Haus. Mit knapp 50 Jahren baut man doch anders als mit 30, wohl doch etwas „Senioren gerechter“. Dies hieß für uns weitestgehend barrierefrei, was bei einem kleinen Hanggrundstück nicht so einfach zu lösen ist. Hierauf komme ich später noch einmal zurück. Garage sollte sein, man ist ja doch nichts ständig auf der Insel, bei einem Grundstück in Hanglage drängt sich dann förmlich eine Tiefgarage auf. Dann kann man gleich komplett unterkellern, oder? Übernachtungsgäste sollen jederzeit willkommen sein, natürlich will man dann trotzdem sein eigenes Reich, folglich eine separate Etage mit separatem Eingang für den Besuch. Und später zieht hier die ständige Krankenschwester ein. Sind wir also bei Keller, Erdgeschoss, 1. Obergeschoss. Treppen steigen mit 80 ist vielleicht dann doch nicht mehr so spaßig, also muss Technik ran. Ein Treppenlift ist hässlich, ein „richtiger“ Lift die Alternative. Kostet aber ...verkauft sich später vielleicht dadurch auch besser. Wird also Planungsbestandteil. Viel Glas in Richtung Meer, Kamin für die Behaglichkeit, zentrale Lüftung (Luft-Luft-Wärmepumpe mit allen Schikanen), Brauchwasseranlage sowie Gebäudeautomation, Photovoltaik; der Technik verliebte Ingenieur kann sich hier richtig austoben.
Wie finde ich nur einen Planer auf der Insel, dem ich das alles beibringen kann, der mich und unsere Wünsche versteht und auch wunschgemäß umsetzt? Ich habe nicht nach ihm gesucht, sondern unseren Architekten Olaf H. aus Deutschland eingeflogen, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Basis einer sehr guten Grundstücksvermessung (Anschrift des Vermessers kann auf Wunsch geliefert werden) wurden im heimatlichen Büro erste Entwürfe gefertigt und diese nach gemeinsamer Ortsbesichtigung dann konkretisiert. Ferner galt es, bereits im Rahmen der Entwurfsplanung die örtlichen Bauvorschriften einfließen zu lassen, die ich kurz skizzieren möchte. Auch hier, dies gilt/ galt für Funchal, ob es zwischenzeitlich anders ist vermag ich nicht zu beurteilen. Die wichtigsten Punkte.

Du kaufst ein Grundstück mit, sagen wir, 500 m², bebaut mit einem Haus, Grundfläche des Hauses meinethalben 120 m². Nun kannst du dir überlegen, ob dieses nur ausgebaut wird, d.h. die vorhandene Grundfläche nicht verändert wird. Dann ist alles gut. Solltest du dich entscheiden, die alte Bude abzureißen und neu zu bauen, gilt die Bauvorschrift: maximal 20% Grundfläche der Grundstücksfläche dürfen bebaut werden. Das heißt, der Fußabdruck des Hauses darf 100 m² nicht überschreiten! Und wenn ich es richtig auf dem Schirm habe, dann kannst du im Außenbereich noch einmal 50% der Hausgrundfläche versiegeln, das war es. Sind wir also bei 150 m². Es gibt noch Spielereien mit Terrasse und Dachüberstand, das lasse ich mal unberücksichtigt. Ferner gibt es noch eine Höhenbegrenzung, die 3 Etagen stellten hier jedoch kein Problem dar, der Keller ist ja eingegraben. Ferner hochinteressant folgender Punkt. Funchal und andere Orte sind geprägt von schmalen Straße ohne Fußweg. Augen auf beim Grundstückskauf! Wer hier an solch einer schmalen Straße sein Grundstück findet, neu bauen will, darf der Kommune ein Teil seines Grundstücks abtreten, damit die Straße verbreitert und obendrein noch einen schicker Fußweg gebaut werden kann. Und dies auf Kosten des Bauherrn! Kein Quatsch, ansonsten gibt es keine Baugenehmigung. Ist im Normalfall gewiss ärgerlich, wenn die Grundstücksgrenze jedoch durch eine 5 m hohe Mauer gebildet wird, ist dies dann auch richtig teuer. Hier die genauen Angaben zur erforderlichen Straßenbreite: Man nehme die vorhandene Straßenmitte, messe dann 3 m Straße + 1,20 m Fußweg. So breit muss die „Normstraße“ dann sein. Meine Straße vor der Haustür war an der engsten Stelle nur 3 m breit, dann kam bereits mein Grundstück. Da rückt man schon mal gern für die Gemeinde Funchal einen Streifen von knapp 3 m heraus und baut Straße + Fußweg.
Dies weiß man als deutscher Architekt natürlich nicht. Hier kommt Architekt Bruno Q., Funchal ins Spiel. Er war auserkoren, die Genehmigungsplanung zu erstellen. Also Abstimmung der beiden Architekten in Funchal, dann Erstellung der Entwurfsplanung in Deutschland. Unserer Zeitrahmen hierfür: 6 Monate. Eine damalige Skizze ist beigefügt.

In Kürze folgt die Genehmigungsplanung, der Teufel steckt wie immer im Detail. Fragen wie immer gern im Rahmen der PM. Schönen Abend noch.
EDIT BY MACMURPHY. BILD IN DEN BEITRAG WIEDER EINGEFÜGT:


Die Wettiner

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12.02.15 10:19
Moewe 

Madeira-Levkoje

Re: Hausneubau Funchal

Hallo,

ich kenne bei mir im Westen zwei Leute (Jeff und Günther) die ein Haus gebaut haben in der Art wie Du.

Beider Häuser sind fertig und im Wesentlichen gelungen.

Jeff strab an einem Gehirnschlag. Er ist in Calhetta beerdigt.

Günther starb an einem Herzinfarkt. Er ist in Ribeira Brava beerdigt.

Ich gönne Dir Dein Haus, aber bist Du sicher, daß es vielleicht nicht auch ruhiger und einfacher geht?

Ich habe einfach ein fertiges Haus gekauft und hatte wenig Streß.


Viel Erfolg, trotzdem und Spaß beim Bauen.


Gruß


Moewe

12.02.15 20:41
DieWettiner 

Madeira-Natternkopf

Re: Hausneubau Funchal

Günther war 84 und hat sich auf seine neue Freundin gefreut, am Neubau seines Hauses hat es gewiss nicht gelegen, dass er so unerwartet gestorben ist. Manche lieben Gebrauchtimmobilien, bei mir darf es auch mal etwas Neues sein. Trotzdem Danke für die lieben Wünsche.

Die Genehmigungsplanung (1. Phase)

Wie die Überschrift bereits besagt, ist die Genehmigung eines Neubaus ein zweischrittiges Verfahren. In Phase 1 überprüft das Bauamt, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, dies ist auch die entscheidende Etappe. Phase 2 beinhaltet dann mehr die Ausführungsplanung.

Vor allen Dingen wird viel Papier bedruckt. Dazu gehören Bescheinigungen, dass der Architekt auch viel Papier bedrucken darf, das sein Job anständig versichert ist, Angaben zum Bauherrn nebst Grundbuchauszug, eine umfangreiche Baubeschreibung. Ferner natürlich Flächenberechnungen zur Bebauung des Grundstücks, Berechnung der Kubatur des Hauses, einen ersten Entwurf des Bauablaufplans (547 Tage Bauzeit)!!!, Meldung an die Statistikbehörde. Für den Bauherrn alles furchtbar spannend.

Ein wichtiges Kapitel nimmt die Thematik Barrierefreiheit ein, dies gilt es bei der Planung der Räume zu beachten. Rollstuhlgerechte Türbreiten, ein Bad, indem man sich mit dem Rolli um 360 Grad drehen kann, Treppenbreiten, vorgesehen zum späteren Einbau eines Treppenlifts. Also Obacht geben und nicht zu wild drauflos planen.

Nun meint man, wenn doch alles so klar ist, alles vorgeschrieben und geregelt ist, kann nichts mehr schief gehen. Unterlagen abgeben, Eingangsbestätigung abwarten, nach spätestens drei Monaten ist dann die Baugenehmigung da. So die Theorie. Die Praxis? Am 3. Oktober 2013 eingereicht heißt es warten. 3 Monate, 4 Monate, 5 Monate; der Bescheid kommt am 03. April 2014 - Bauantrag abgelehnt. Mist! Warum das? Wir bebauen nach Auffassung des Amtes 28% der Grundstücksfläche und nicht, wie vorgegeben, 20%. Wie konnte das geschehen? Haben wir nicht genau diesen Punkt im Vorfeld ausführlich mit Architekt Bruno C. besprochen? Wo liegt der Fehler? In der Gestaltung der Tiefgarage. Diese ragt unterirdisch über die Grundmauern des Hauses hinaus, somit wird der Fußabdruck des Hauses in der Draufsicht natürlich größer. Capito? In Theorie schon, in Praxis ist natürlich nichts von der unter dem Erdreich verborgenen Garage zu sehen. Diskussion mit dem Amt - völlig sinnlos. Heißt natürlich für uns, das Haus komplett umzuplanen, nichts stimmt mehr. Zeitverzug, sehr ärgerlich!

Demnächst folgt die Fortsetzung.

06.03.15 20:48
DieWettiner 

Madeira-Natternkopf

Re: Hausneubau Funchal

Wir haben umgeplant. Keller und Garagen komplett unter das Haus, die Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt nun nicht mehr unmittelbar an der Straße sondern ins Grundstück zurückgesetzt, somit ergibt sich ein kleiner Innenhof. War so ursprünglich nicht geplant, sieht aber bestimmt auch schick aus. Die Unterlagen gehen nach knapp 20 Tagen (!!!) Umplanungszeit erneut zum Amt, wiederum heißt es nun warten. Dieses Mal sollte es schneller gehen. Nach nur 3 Monaten liegt sie nun vor - die Baugenehmigung in der ersten Phase, d.h. formal dürfen wir bauen. Nun folgt der nächste Schritt;

Die Genehmigungsplanung in Phase 2.

An dieser Stelle treten die Ingenieure auf den Plan. Jeder gute Architekt hat hier die entsprechenden Spezialisten an der Hand, die gegen Geld sich in der Lage fühlen,die Fachplanungen zum Bau auszuführen (oder, wie uns passiert, dies zum Anfang auch vorgegeben haben, dann jedoch den Auftrag unbearbeitet zurückgeben). Folgende Pläne werden hier nun erstellt und dem Amt übergeben, meine Auflistung betrifft nur unser Projekt und kann in anderen Fällen durchaus noch länger ausfallen:

1. Statik,
2. das Wasserprojekt (Trinkwasser),
3. das Abwasserprojekt (Schmutzwasser),
4. das Abwasserprojekt (Regenwasser),
5. das Elektrotechnikprojekt - bitte beachten, hier vordergründig nur der Hausanschluss,
6. das Projekt zur Telekommunikation,
7. Brandsicherheitskonzept,
8. Akustikprojekt (Schallschutz),
9. Entwurf thermische Konditionierung (blöde Übersetzung, mir ist nichts Besseres eingefallen),
10. Gestaltung Wohnumfeld (Blümchen, Bäume, allerlei Grünkraut - also die Landschaftsplanung),
11. Vor-Zertifizierung Energetik.

Letztgenannter Punkt ist der Hammer, durchaus mit dem deutschen Gebäudepass vergleichbar. Wir leben in Europa, da gibt es Europanormen, die sich dann im jeweiligen Landesrecht wiederfinden. Da ist es vorbei mit zugigen Fenstern und Einzelverglasung, da müssen Thermofenster ran, zum Glück noch nicht mit 3-Fachverglasung. Und natürlich Wärmedämmung! Der Heilsbringer schlechthin! Solarthermie (Warmwasser aus Sonne vom Dach) ist Pflicht, obwohl teuer, zumindest im Vergleich zur Photovoltaik. Also hinein ins Projekt, ansonsten wird es nichts mit dem erforderlichen Umweltlabel. Und da so ein luftdichtes Haus irgendwann bei Nichtnutzung zu schimmeln anfängt, auch hier eine aufwändige Lösung - Fremdlüftung! So ganz nebenbei kann das gute Teil (Luft-Luft-Wärmepumpe) eines schwedischen Herstellers auch noch heizen, kühlen und entfeuchten. Doch der Aufwand in der Planung lohnt sich. Wir erhalten ein A+!
Diesen Wert gilt es jedoch noch während des Baus zu verteidigen, ein Gutachter wacht über die korrekte Bauausführung. Ganz nebenbei, es gibt nur wenige Büros in Portugal, die sich auf diese Gebäudepässe spezialisiert haben, und angeblich nur einen in Funchal. Bei Bedarf kann mit der Anschrift ausgeholfen werden.

Nun liegen alle Pläne beim Amt, es ist August 2014 und ganz Portugal ist im Urlaub. Wieder heiß es warten. Nach Abschluss dieses (wohl eher formalen Aktes) erhält dann das Projekt die Baureife, dass heißt eine Baugenehmigung kann ausgestellt werden. Dies erfolgt jedoch nicht, im Gegensatz zu Deutschland, an den Bauherren, sondern an einen Bauunternehmer. Mit der Baugenehmigung in der Hand dann einen Baubetrieb suchen funktioniert nicht, erst den Bauunternehmer finden, dann die Genehmigung. Dies hat den Hintergrund, so wurde es mir erklärt, dass der Unternehmer sich gegenüber dem Amt erklärt, gesetzeskonform zu bauen und alle Vorschriften einzuhalten. Folglich läuft alles bei diesem Modell auf einen Generalunternehmer (GU) hinaus. Auch hier hatten wir andere Überlegungen. In einer der obigen Kommentare hieß es, die erteilte Baugenehmigung wäre erloschen und man müsse von Vorne wieder beginnen. Dann muss jemand mächtig gepennt haben. Ich habe wohl ein Jahr Zeit, die Genehmigung beim Amt abzuholen, und dann 3 Jahre Zeit, mein Vorhaben umzusetzen. Man beachte jedoch, dass ich dem Amt beim Abholen der Genehmigung erklären muss, wie lange ich zu bauen gedenke. Danach bemisst sich dann wohl auch die Gebühr der Genehmigung. Die Zeit gilt es einzuhalten, sonst kostet es wieder extra.

Wir haben die Zeit für Phase zwei nicht untätig verstreichen lassen, diese vielmehr genutzt, uns nach qualifizierten Baubetrieben umzusehen. Dazu im nächsten Beitrag mehr. Da ich jedoch auch gebeten wurde, einige Bilder einzustreuen, nachfolgend erste Fotos zum Abbruch und Erstellung der Baugrube. Ich melde mich wieder in Kürze.

DieWettiner




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11.04.15 16:47
DieWettiner 

Madeira-Natternkopf

Re: Hausneubau Funchal

Die Bauphase

Ursprünglich hatte ich den kühnen Gedanken, dass ich den Bau allein bewerkstelligen kann, d.h. mit deutscher Ausführungsplanung und dann mit fremder Hilfe die Organisation der Montagen vor Ort. Von diesem Gedanken habe ich mich relativ fix verabschiedet. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt trat dann Dirk Mayer in unser Leben (siehe oben!), ein junger Architekt mit deutschen Wurzeln, bereits vor mehreren Jahren hier auf der Insel gelandet und mit einem eigenen Büro unter anderem in Funchal tätig. Wir fanden relativ fix einen gemeinsamen Faden, so dass ich Dirk mit der kompletten Ausführungsplanung und späteren Bauüberwachung beauftragen konnte. Die Entwürfe und die Ergebnisse der Genehmigungsplanung wurden nach unseren Vorstellungen umgesetzt, nun begann die Feinarbeit, Badgestaltung, Innenausbau, Türen, Fenster, Garnituren, alles galt es zu bemustern und auszusuchen. Eigentlich eine schöne Phase. Im Ergebnis dessen lag eine umfangreiche Baubeschreibung sowie ein Leistungsverzeichnis (LV) für die verschiedenen Gewerke vor, jedoch mit dem Ziel, die Errichtung des Hauses über einen Generalunternehmer abzuwickeln.
Es ist schon klar, dass dies nicht unbedingt die preiswerteste Art und Weise ist, ein Haus zu errichten. Die Alternative wäre eine Betreuung und Koordinierung der Gewerke durch Dirk gewesen, wobei wir als Bauherren uns dann natürlich viel intensiver hätten einbringen müssen. Ungeachtet dessen habe ich mir vorbehalten, in sich geschlossene Gewerke eigenständig zu betrachten und diese dann auch perspektivisch separat zu beauftragen, doch dazu später mehr.

Die Ausführungsplanung lag nach unseren Vorstellungen vor, unzählige Detailpläne für die verschiedenen Gewerke, ein gewaltiges LV. Nun galt es, nur noch ein tatkräftiges Bauunternehmen zu suchen und zu beauftragen.

In Deutschland hört man von Krisen in Südeuropa, einer darbenden Wirtschaft, hoher Arbeitslosigkeit, folglich von optimalen Bedingungen für jemand wie uns, der hier Geld ohne hinderliche Banken ausgeben möchte. Da müssten doch die Baufirmen schlicht Schlange stehen ... Weit gefehlt. Von den 7 angeschriebenen Firmen hielten es zwei noch nicht einmal für erforderlich, ein Angebot abzugeben, 2 Firmen legten Abwehrangebote vor. Lediglich 3 Unternehmen kamen in die engeren Wahl, mit zwei Baubetrieben führten wir nach Besichtigung diverser Referenzprojekte Vergabegespräche. Die Offerten waren im Ergebnis der Vergabeverhandlung nochmals zu überarbeiten, nach weiteren 14 Tagen stand dann fest; Vincente V. wird sich um unseren Bau kümmern. Jetzt Baustart? Denkste! Die Baugenehmigung galt es auszustellen, hierzu musste der Baubetrieb noch diverse Unterlagen dem Amt beibringen, mit denen er seine Sachkunde nachweisen kann. Einen Sicherheitskoordinator galt es zu bestellen, eine Aufgabe, die zumindest auch der Bauherr zu beauftragen und zu bezahlen hat. Und ein Vertrag muss her, natürlich möglichst nach deutschem Muster (nach VOB) und dann natürlich in der portugiesischen Entsprechung. Da sind auch noch einmal 10 Seiten zusammengekommen - Hilário, dir nochmals vielen Dank. Harte Ziel und Zwischenziele, gegen Verzugsentschädigung, Gewährleistungsbürgschaften und -einbehalte, man hört ja schreckliche Dinge vom Bau. Und dann ging es los, doch davon im nächsten Beitrag mehr.

Angehängte Bilder dokumentieren den Baufortschritt in KW 9 und KW 10.

DieWettiner

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04.07.15 22:48
DieWettiner 

Madeira-Natternkopf

Re: Hausneubau Funchal

Die Bauphase - Fortsetzung

Wir haben lange nichts mehr von uns hören lassen. Der Bau wächst und gedeiht, ab kommenden Montag wird die Wärmedämmung geklebt. Schön wäre es, jetzt so etwas auch in Deutschland an seinem Häuschen zu haben, wir haben Hochsommer, es werden 37 Grad Celsius gemessen, und das im Schatten.

Doch der Reihe nach.

Der Baustart verlief unspektakulär, nach gut einer Woche lag das alte Haus in Trümmern und wenig später auf der Ladefläche des LKW. Fix auch die Errichtung der Baugrube, Großtechnik erlaubte es, innerhalb kürzester Zeit wurde Platz für das neue Fundament geschaffen, alle Achtung. Was die Geschwindigkeit anbelangt, alle Achtung, bis zum heutigen Tag muss man festhalten, dass die Baustelle jeden Tag besetzt war, und dies nicht nur in schmaler Besetzung, sondern mit durchschnittlich 6 - 8 Personen. So war es nicht verwunderlich, dass nach 4 Wochen die Sauberkeitsschicht eingebaut, erste Fundamente errichtet und dann nach nochmals 4 Wochen die erste Geschossdecke gegossen wurde. Hier jedoch waren massive Schwierigkeiten zu überwinden. Bis dahin wurden für alle Fundamente noch vor Ort der Beton geschmischt, bei den Geschossdecken war dies jedoch nicht geplant. Leider erwies sich eine 90 Grad-Kurve in der Zufahrt für das Mischfahrzeug als unüberwindlich, auch ein alternativer Standplatz für Mischer und Betonpumpe in einer Parallelstraße konnte nicht gefunden werden. Was tun? Hubschrauber geht schlecht, dem Nachbarn die Mauer in der Kurve wegreißen, nur bedingt. Man will es sich ja nicht von Anfang an bei den Nachbarn verscherzen. Also dem Baubetrieb vertrauen, dass er kontinuierlich mischt und „per Hand“ einbaut? Was bleibt einen anderes übrig. Es wurde mir im Nachgang berichtet, dass der Beton trocken vorgeschmischt auf die Baustelle geliefert und dort weiterverarbeitet wurde. Ein 200 Liter Mischer, 2 Schubkarren, 1 Rüttler und jede Menge kräftige Kerlchen, 21 Uhr war nach 13 Stunden Arbeit die Geschossdecke gefertig. Chapeau!

Was im Kellergeschoss geht, sollte auch im Erdgeschoss funktionieren, so war es auch. Vor der letzten Decke dann die Hiobsbotschaft - das Haus gerät zu hoch. Ein besorgter Bürger (die gibt es also auch auf der Insel, und nicht nur in Deutschland) hat wohl festgestellt, dass das Haus angeblich zu hoch gebaut wird. Es ist immer noch ein Rätsel für mich, wie man so etwas feststellt. Großes Palaver auf der Baustelle, das Bauamt rückt an, nunmehr auch ein Vermesser, gemeinsam stellt man fest, es sind wohl 70 cm mehr, als in der Baugenehmigung gestattet. Wieder Palaver, die Schuldfrage wird erörtert, es kann jedoch kein Schuldiger ausgemacht werden. Wie zu erwarten. Was tun? Neue Pläne, die Änderung genehmigen lassen, dies heißt sofortigen Baustopp, mit etwas Glück geht es dann nach einem halben Jahr weiter. Absolut inakzeptabel, von den Kosten ganz zu schweigen. Weitere Gespräche folgen, dass Amt zeigt sich kompromissbereit, ob man denn nicht 20 cm die oberste Decke niedriger gestalten könnte ...? Man kann, der höchste Punkt wird durch das Treppenhaus gebildet, hier 20 cm sparen ist nicht dramatisch und wird sofort abgenickt. Die Kuh ist vom Eis, es kann ohne Verzug weiter gebaut werden. Solche Sachen passieren auf dem Bau und werden auch nicht überbewertet, sind jedoch auf für unseren Architekten Anlass, in Zukunft die Bezugshöhe des Baus von einem Vermesser festlegen zu lassen.

Wie weiter oben schon geschildert, wird diverse Technik direkt in Deutschland gekauft und dann auf die Insel geliefert. Leider ruft der Lieferant der Klimatechnik für den Transport von drei Paletten auf die Insel einen Preis von rund 3.500 € auf, aus meiner Sicht absolut unangemessen, ich lehne dankend ab und versuche es auf eigene Faust. Der Transport wird gesplittet, die erste Fuhre mit deutscher Spedition geht aus Deutschland nach Lissabon, von dort dann mit Schiff und portugiesischer Spedition auf die Insel. Kostenpunkt für Interessen: Knapp 1.000 €. Auch nicht unbedingt ein Schnäppchen, wer aber mal etwas mehr transportieren möchte, ich vermittle gern die entsprechenden Kontakte.

Der Bau geht voran. Der Rohbau ist vorfristig fertig (!), diesen als Meilenstein (mit Verzugsentschädigung) im Vertrag zu verankern war wahrscheinlich nicht der schlechteste Gedanke. Nun beginnt die Außengestaltung. Der Pool, nachträglich ins Projekt gelangt, wird ausgehoben. Auch die unendliche Geschichte der Bestellung des Liftes neigt sich dem Ende.

Hier muss ich doch noch einmal ein wenig ausholen. Favorisiert war ein portugiesischer Lieferant. Die Großen der Branche wie Schindler und Kone hatten es schlichtweg nicht nötig, konkurrenzfähige Angebote zu unterbreiten. Im Gespräch blieben Liftec und ThyssenKrupp mit ihrer portugiesischen Niederlassung. Erstgenannte Firma lag gut im Rennen, die Technik war klar, nun galt es noch die kommerziellen Bedingungen auszuhandeln. Wunsch des Unternehmens waren 30% Anzahlung mit Beauftragung, dem Wunsch wären wir gern nachgekommen, jedoch nur gegen Anzahlungsbürgschaft. Ein weiterer Punkt waren noch 5 Jahre Gewährleistung, die ich gern für den Lift erhalten hätte. Zumindest im erstgenannten Punkt gab es kein Entgegenkommen, die Kosten der Bürgschaft wären hoch, und überhaupt, bla, bla, bla. Der Kunde hat Wünsche, wo kommen wir denn da hin! Anzahlung ohne Bürgschaft, in dieser Größenordnung wiederum für mich ein Ausschlusskriterium.

Nun baut man ein Haus, der Rohbau ist fertig, natürlich auch das Treppenhaus, vorbereitet für den Einbau eines Liftec-Fahrstuhls, der auch im Projekt ausgeschrieben war. Da waren sich die Jungs wohl eines Auftrags zu sicher. Falsch gedacht! ThyssenKrupp erhielt den Auftrag, letzte Woche habe ich gemeinsam mit Dirk die Zeichnungen zur Produktion freigegeben.

Alles keine wahren Probleme, Bau halt, wer das nicht aushält, sollte nicht bauen. Da muss man es auch aushalten, wenn im laufenden Projekt der Baubetrieb plötzlich nach Aufmaß anfängt abzurechnen, wenn doch ein Pauschalfestpreis vereinbart wurde.

Am 09. Juni geht wieder der Flieger auf die Insel, monatliche Baukontrolle, ich freue mich schon. Bilder folgen, auch ein weiterer Bericht, spätestens mit Einbau der Fenster und Komponenten. In diesem Sinne wünscht noch einen schönen Sommer

DieWettiner

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07.12.15 23:11
macnetz 

Administrator

Re: Hausneubau Funchal

Bei meinem heutigen Stadtbummel bin ich an der Baustelle vorbeigekommen. Es wird geschafft -





siehe Bilder auch vom atemberaubenden Ausblick.

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08.12.15 11:20
mrjasonaut 

Madeira-Strelitzie

Re: Hausneubau Funchal

Hi macnetz,

Das sieht ja aber doch ein wenig gräulich aus. Kannst Du noch ein wenig am Licht drehen?
letthesunshine..
Jasonaut.

26.12.15 19:55
DieWettiner 

Madeira-Natternkopf

Re: Hausneubau Funchal

Die Bauphase - es geht dem Ende entgegen

Das Jahr ist gelaufen. Weihnachten haben wir zu Hause in Deutschland verbracht, gleiches gilt für den Jahreswechsel, ich bin ehrlich, es war anders geplant. Der 30. Oktober war schlüsselfertiger Einzugstermin nach Plan, spätestens im August des Jahres war jedoch absehbar, dass der Baubetrieb den Termin nicht hält. Keine Fenster bestellt, die selbe Situation bei den Küchen, der Klempnermeister muss auch im Sommer mehrere Wochen seinen wohlverdienten Urlaub absolvieren. Dann natürlich der Bauherr mit seinen Sonderwünschen, da kann doch so ein Bau gar nicht pünktlich fertig werden!



Die Wärmedämmung aus Kork macht einen sehr soliden Eindruck, trotz großer Skepsis des Baubetriebs im Vorfeld. Den Selbstversuch im Wassereimer hat ein Korkstück dann auch ohne große Wasseraufnahme überstanden, der Bauherr ist zufrieden. Der Baubetrieb hat seine eigenen Bauleute abgezogen, die Jungs haben unter fachkundiger Leitung des Poliers einen super Job abgeliefert. Das Tempo auf der Baustelle hat sich sichtbar verlangsamt, tageweise ruht zwischenzeitlich das Baugeschehen. Keine schöne Situation. Was tun? Draufhauen, die fristgerechte Erfüllung des Vertrages einfordern? Laufen lassen, frei nach dem Motto, mal sehen, wann die Jungs fertig werden wollen? Keine leichte Entscheidung.

Monatlich geht es einmal auf die Insel, Fortschrittskontrolle, wichtige Termin lassen sich doch nicht alle Probleme via Mail bzw. Skype abarbeiten. Kostenintensive Entscheidungen gilt es zu treffen, nehmen wir bereits jetzt weiteres, ungeplantes Geld in die Hand, um die Außenansicht zu bessern, oder schiebt man dies auf später? Man kennt das doch, alles, was zum Einzug nicht abgearbeitet ist, verschiebt sich bis zum Skt. Nimmerleinstag. Es wird nicht verschoben, Auftrag erteilt!



Weiteres kommt hinzu, die vorhandene Levada droht einzustürzen, dann stünde das Grundstück unter Wasser, auch hier gilt es, sofort Entscheidungen zu treffen. Der Pool, ohnehin im Nachgang ins Projekt gelangt, bedarf einer Beleuchtung, eine Gegenstromanlage wäre vielleicht auch nicht schlecht.

Kosten, Kosten, Kosten - ungeplant, dass Budget ist bereits jetzt um 15% überschritten und das Bauende noch nicht erreicht.

Großen Ärger bereiten die Telekom-Netzbetreiber, insbesondere die PT. Direkt vor der Fensterfront verlaufen armdicke Freileitungen, der (für uns kostenpflichtige) Auftrag zur Umverlegung ist erteilt, der Tiefbauer legt los, Leerrohre und Schächte werden eingebaut. Dann passiert - nichts! Nach einem Monat bequemt sich die MEO, ihre Strippen zu verkabeln, dann wieder ruht still der See. Nach drei Monaten die ernüchternde Information, die PT möchte wohl doch nicht verkabeln, der Bau einer Muffe ist wohl zu kostenintensiv. Hallo? Habe ich den Tiefbau für die halbe Umverlegung bezahlt? Doch halt, noch ist nicht bezahlt, ein Druckmittel bleibt noch. Die Information an die Baufirma ist raus, dass ich nicht bezahlen werde, so lange nicht auch die zweite Leitung im Erdreich verschwunden ist. Mal sehen was passiert. Wenn nicht nur die Nachbarn sich bereits beschweren würden, dass die Straße immer noch ohne Asphalt ist... Eine verzwickte Situation, es wird wohl nur ein persönlicher Termin beim Bauamt weiterhelfen. Ich werde hierzu berichten.



Die Fenster sind eingebaut, endlich. Nun kann es endlich mit dem Innenausbau weitergehen. Die Bäder und Küchen werden gefliest, verbunden mit den kleinen, bautypischen Pannen. Dekorfliesen? Wir können uns gar nicht daran erinnern, dass hier welche geplant waren. Sorry, müssen wir dann wohl noch bestellen. Die Fußbodenfliesen in der Küche des Erdgeschosses finden sich plötzlich eingebaut im ersten Obergeschoss wieder, dafür sind hier die Fliesen des Erdgeschosses eingebaut. Raushacken? Die örtliche Bemusterung gemeinsam mit dem Dekor der Küchen ergibt, dass diese Lösung sogar besser als die ursprünglich gewählte Variante aussieht. Das ging ja noch mal gut. Allgemeines Aufatmen.



Der nächste Termin steht fest: Die schlüsselfertige Übergabe des Hauses soll nunmehr im Februar erfolgen, wir reden dabei über das Jahr 2016. Doch schon! Zum Glück gibt es keine Eile, wir freuen uns bereits jetzt auf die nächste Phase, das Einrichten. Hier sind wir für jegliche Anregungen dankbar, wo qualitativ hochwertige und schicke Möbel auf der Insel erworben werden können.

Doch vorher gibt es noch einmal einen letzten Baubericht. In diesem Sinne wünschen wir der Gemeinschaft einen geruhsamen Jahreswechsel und einen guten Start in das neue Jahr 2016.

DieWettiner

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